Snowkite fliegen mit dem Wind

KITESPORT – Andrea Ammann gehört mit 19 Jahren zur Schweizer Spitze des Kitesports. Der Vize-Europameister im Snowkiten will Profi werden und dafür mit Videos auf sich aufmerksam machen.

Lediglich 2,2 Punkte fehlten Andrea Ammann zur Titelverteidigung. Der Europameister im Snowkiten Freestyle von 2016 wurde im italienischen Resia Zweiter hinter dem Österreicher Heinar Brandstötter (94 Punkte). «Natürlich war die Titelverteidigung mein Ziel. Aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung, ich habe nicht viel falsch gemacht», sagt der Weisslinger. Sein gutes Resultat erzielte er mit einem Sprung weniger als der Sieger. In jedem Lauf dürfen die Athleten sechs Tricks zeigen, die besten fünf fliessen in die Wertung ein. Der beste von drei Runs zählt, und Ammann stand in keinem Run fünf Tricks. «Die Bedingungen wurden immer schlechter.» Zeit für weitere Titel hat der 19jährige Snowkiter und Kitesurfer aber noch genug. Er will Profi werden. Auf Schnee gehört Ammann bereits zur Weltspitze. «Ich denke, ich bin etwa unter den besten zehn.» Ein offizielles Ranking gibt es nicht. Wesentlich weiter verbreitet ist aber das Kitesurfen auf Wasser. Um vom Sport leben zu können, müsste er da zur Weltspitze gehören. «Die besten zehn Athleten verdienen vermutlich genug, um gut davon leben zu können», mutmasst er. Der Weg dahin ist aber weit.

Steiniger Einstieg

Vor allem finanziell gestaltet sich der Einstieg schwierig. Bisher finanziert sich Ammann, der sich über seine berufliche Zukunft noch nicht im Klaren ist, die Sportart mit Unterstützung der Eltern, durch Nebenjobs und erst zu einem kleinen Teil mit Sponsoren, die ihm hauptsächlich das Material zur Verfügungstellen. Die junge Sportart, dielaut Ammann um die Jahrtausendwende in der Schweiz Fuss gefasst hat, ist im Entwicklungsstadium. Es gibt keine nationalen Kader, keine Teams, und in der Schweiz sind die Bedingungen vor allem fürs Kitesurfen selten optimal. Zwar trainiert er hie und da auf dem Bodensee oder dem Silvaplanersee, richtig gute Voraussetzungen herrschen aber auf dem Meer. Ammann ist deshalb oft im Ausland allein, mit den Kitesurf Freunden oder mit der Familie unterwegs. Im letzten Jahr zum Beispiel in Sardinien, Miami, in Singapur oder in Kapstadt. «Ich habe keinen fixen Trainingsplan. Jeder Tag, jede Woche sieht anders aus.» Rund 60 bis 80 Tage kommen dadurch jährlich zusammen, wenig im Vergleich zu Spitzenathleten, von denen viele direkt am Strand wohnen und täglich auf dem Brett stehen können. Wenn er die Gelegenheit hat, trainiert er deshalb gleich eine oder mehrere Wochen am Stück, zum Beispiel in den Familienferien. «Das wird aber auch immer schwieriger. Ich brauche Strände mit starkem Wind, für Badeferien ist das natürlich weniger toll», fügt er lachend an.

Erste Versuche als Elfjähriger

In Familienferien ist er auch ursprünglich auf den Geschmack der Mischung aus Surfen und Gleitschirmfliegen gekommen. Sein Vater Philippe Ammann entdeckte die Sportart für sich. Andrea schaute ihm begeistert zu und übte den Umgang mit dem Schirm auf dem Trockenen. Mit elf Jahren durfte er erstmals selbst ins Wasser. Acht Jahre später macht er Tricks, mehrere Meter über der Wasseroberfläche. Das Verletzungsrisiko halte sich in Grenzen. «Ich hatte bisher nur die üblichen Sportverletzungen. Prellungen, ein verdrehtes Knie oder eine Gehirnerschütterung», sagt Ammann und fügt an: «Kitesurfen ist kein gefährlicher Extremsport. Der Sport ist nur so risikoreich, wie man ihn selber gestaltet. » Ammann weiss, wie er sich auf dem Brett zu verhalten hat, bei welchem Wind welche Schirmgrösse optimal ist und welche Tricks er dann wagen darf. «Für mich ist es nicht gefährlicher als Skifahren oder Snowboarden.»

Konflikt zwischen Touren

Zurzeit gibt es grosse Unklarheiten in den Strukturen des Kitesurfens. Es gibt verschiedene World Tours, die sich gegenseitig konkurrieren. Die Athleten wissen nicht mehr, an welchen Events sie teilnehmen sollen. «Viele sind deshalb frustriert.» Auch für Ammann ist es mit ein Grund, sich im Moment auf anderes zu fokussieren. Eine kürzlich gegründete Tour, organisiert von den Athleten selbst, könnte künftig Abhilfe schaffen. Der Weisslinger will aber zuerst abwarten, wie sich die Szene entwickelt, und sich vorerst auf seine zweite grosse Leidenschaft fokussieren, die Videoproduktion. Er hat eine grosse Sammlung an Bildern und selber geschnittenen Videos von seinen Tricks und Ausflügen – vor der Golden Gate Bridge in San Francisco, auf Schweizer Bergseen oder von halsbrecherischen Sprüngen in den Schweizer Bergen auf Schnee. «Sie sind mein Hauptargument auf der Suche nach neuen Sponsoren.»

Quelle: zueriost.ch Christoph Steinberger

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